Johannesbad Medizin

Fachklinik Fredeburg

Unser Behandlungssprektrum

Die Johannesbad Fachklinik Fredeburg nimmt Erwachsene weibliche und männliche Patienten zur medizinischen Rehabilitation auf. Nach Absprache behandeln wir auch jugendliche Patienten im Rahmen einer stationären Reha-Maßnahme.

Folgende Indikationen werden hier behandelt

  • Alkoholgebrauchsstörung
  • Medikamentengebrauchsstörung
  • Cannabisgebrauchsstörung
  • Mehrfachabhängigkeit
  • Pathologisches Glücksspielverhalten

Patienten, bei denen eine Abhängigkeit von illegalen Drogen im Vordergrund steht, können in unserer ausgelagerten Abteilung der Johannesbad Fachklinik Holthauser Mühle behandelt werden. Ausgenommen sind hierbei Cannabisabhängigkeit je nach Indikation sowie isolierte Kokainabhängigkeit bei guter sozialer Integration.

Medikamentenabhängigkeit

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen geht von 1,5 bis zu 1,9 Millionen medikamentenabhängigen Menschen in Deutschland aus. Der häufigste Missbrauch mit rund 1,2 Millionen Menschen betrifft Benzodiazepinderivate, gefolgt von Analgetika.1

Bei den Schlafmitteln werden immer häufiger sogenannte Z-Substanzen verwendet – wie Zopiclon und Zolpidem. Inzwischen weiß man, dass ihr Abhängigkeitspotential ähnlich hoch einzustufen ist wie bei Benzodiazepinen.

Etwa 4 bis 5 % aller in Deutschland häufig verordneten Arzneimittel besitzen ein eigenes Suchtpotenzial. Alle psychotropen Arzneimittel wie z.B. Schlafmittel und Tranquilizer vom Benzodiazepin- oder Barbiturat-Typ, zentralwirkende Schmerzmittel, codeinhaltige Medikamente oder auch Psychostimulanzien sind rezeptpflichtig. Ein großer Anteil dieser Mittel – schätzungsweise ein Drittel bis die Hälfte – wird nicht wegen akuter medizinischer Probleme, sondern langfristig zur Suchterhaltung und zur Vermeidung von Entzugserscheinungen verordnet.2

 

Differenzierte Diagnostik

Wir blicken in der Johannesbad Fachklinik Fredeburg auf eine langjährige Erfahrung in der Entwöhnungsbehandlung von Medikamenten zurück. Gerade bei dieser Suchtform legen wir besonderen Wert auf eine differenzierte psychiatrische wie somatische Diagnostik: Wir wissen, dass eine Analgetikaabhängigkeit häufig als Begleit- oder Folgeerkrankung von chronischen Schmerzen auftritt, genauso wie der Benzodiazepingebrauch in Zusammenhang z.B. mit einer posttraumatischen Belastungsstörung oder Angst und Depression stehen kann.

Wir führen im Rahmen der Behandlung gegebenenfalls eine „Restentgiftung“ bei noch geringer einzunehmender Menge des Suchstoffs durch und begleiten den soweit komplikationslosen Entgiftungsverlauf (Benzodiazepine sollen zur Vermeidung schwerer Entzugssymptome langsam ausgeschlichen werden).

Zusätzlich besteht unsere Behandlung aus folgenden Bausteinen:

  • Einzel- und Gruppenpsychotherapie
  • Sport- und Bewegungstherapie
  • Indikationsgruppen
  • Gestaltungstherapie
  • Weitere Begleittherapien

 

1) Jahrbuch Sucht 2014, 2016
2) Glaeske, G.; Jahnsen, K. (2002): GEK-Arzneimittel-Report 2002.

Cannabisabhängigkeit

In den letzten Jahren hat die Zahl der Konsumenten von Cannabis stark zugenommen. Damit einher geht ein Anstieg des problematischen und abhängigen Konsums. Zunehmend häufiger werden Beratungen und Behandlungen nachgefragt. Etwa 4-7% der Cannabiskonsumenten gelten als abhängig. Während der anfängliche Cannabisgebrauch vor allem durch soziale Erfahrungen in der Jugendzeit beeinflusst wird, spielen beim fortgesetzten Missbrauch psychische und psychopathologische Merkmale eine dominierende Rolle.

Etwa 70 % der Cannabisabhängigen leiden an weiteren psychischen Störungen. Der Konsum selbst führt häufig zu, bei längerer Abstinenz, meist rückläufige Einschränkungen der Aufmerksamkeit, der Konzentration und des Gedächtnisses. Cannabiskonsum geht häufig mit dem missbräuchlichen Konsum von Alkohol und Drogen, besonders Amphetaminen, Ecstasy, Kokain und biogenen Drogen einher. Um in der gewohnten Umgebung mit ambulanter Hilfe abstinenzfähig zu werden, ist neben einem intakten sozialen Hintergrund ein hohes Maß an Krankheitseinsicht und Abstinenzmotivation erforderlich.

Ein Teil der abhängigen Cannabiskonsumenten weist aber einen so schweren Störungsgrad auf und ist so stark in ein konsumierendes Umfeld eingebunden, dass eine ambulante Behandlung nicht ausreichend erscheint.

 

Behandlungskonzept

Eine stationäre Langzeitentwöhnung, die den Cannabisabhängigen für einen längeren Zeitraum in örtliche Distanz von seiner Peergruppe in einem abstinenzorientierten Rahmen behandelt, bietet die Möglichkeit, die psychischen Probleme, die zur Abhängigkeit geführt haben, aufzuarbeiten, Entwicklungsverzögerungen und suchtmittelbedingte Defizite zu verbessern.

Oftmals ist es in der Vorbereitung schwierig festzulegen, in welchem Behandlungsrahmen ein cannabisabhängiger Patient behandelt werden soll, zumal begleitende substanzbezogene Störungen die Regel sind, aber zumeist keine Opiate konsumiert werden. Soll und möchte der Patient in eine Klinik, in der hauptsächlich Abhängige von illegalen Drogen behandelt werden oder doch in eine Klinik, in der keine „Junkies“ sind.

Unsere Klinik hat mit unserer ausgelagerten Abteilung der Johannesbad Fachklinik Holthauser Mühle ein gemeinsames Konzept für die Behandlung von Patienten mit einer Cannabisabhängigkeit als Hauptdiagnose entwickelt. Indikativ können je nach sozialer Integration, Vorgeschichte, Konsummuster und Alter diese Patienten in beiden Kliniken in gemischten Gruppen mit anderen Patienten behandelt werden. Dies ermöglicht eine sehr passgenaue Zuweisung und individuelle Behandlungsplanung und eine sehr konkret am Patienten orientierte und damit Erfolg versprechende Rehabilitation. Die Entscheidung, welches Setting gewählt werden soll, kann unter Einbezug des Leistungsträgers und der Vorbehandler vor Ort getroffen werden. Der Patient, der beide Behandlungsmöglichkeiten kennenlernen kann, ist in die Entscheidung gleichberechtigt einbezogen. Die Therapiedauer für jüngere Patienten (bis 25 Jahre) beträgt 16 bis 24 Wochen, für ältere bis zu 16 Wochen.

Da viele Cannabiskonsumenten recht jung sind, bietet sich für die meisten Cannabisabhängigen eine Juniorenbehandlung an (Alter 18 bis 25 Jahre). Indikativ findet hier Gruppen statt, in denen unsere jungen Patienten unter sich sind. Neben dem Basisprogramm (Gruppenpsychotherapie, Sucht- und Rückfallpräventionsgruppe, Großgruppen, Einzelpsychotherapie, Sport- und Bewegungstherapie, Beschäftigungstherapie, bestimmte Formen der Arbeitstherapie und Informationsgruppen) können die Patienten ihre Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen im Hirnleistungstraining verbessern. Wie bei den Junioren sind oft eine ausführliche arbeits- und berufsbezogene Eingangstestung und ein entsprechendes Training sowie eine berufsbezogene Beratung erforderlich. Die lebenspraktischen Fähigkeiten können durch ein hauswirtschaftliches Training und, bei bestehender Indikation, durch die Teilnahme an einem Kochkurs gefördert werden.

Einen hohen Stellenwert hat der hoch strukturierte Tagesablauf, da vor der Therapie der Tagesablauf des Cannabisabhängigen in der Regel ausschließlich vom Suchtmittelkonsum geprägt war. Unter diesem Aspekt nimmt auch die Freizeitgestaltung einen zentralen Stellenwert ein. Die Überwindung der eigenen Passivität durch Selbstaktivierung, Zutrauen zur eigenen Leistungsfähigkeit und Spaß an Freizeitaktivitäten ist das Ziel von Sportangeboten und unsere motivationalen Interventionen zur Nutzung des Freizeitangebotes der Klinik.

Im Einzelfall ist zu prüfen, ob nach der medizinischen Rehabilitation bei uns eine Adaptionsbehandlung, Ambulant oder Stationär Betreutes Wohnen oder eine Ambulante Nachsorge notwendig ist.

 

Zuweisungskriterien

Kriterien für die Zuweisung sind:

  • Das Drogenkonsummuster
    • bei Abhängigkeit von Cannabis und Alkohol sollte eine Behandlung vorzugsweise in unserer Klinik stattfinden
    • bei Abhängigkeit von Cannabis in Verbindung mit anderen Drogen eher in der Johannesbad Fachklinik Holthauser Mühle
  • Die soziale Situation
    • bei weitgehend erhaltener sozialer und beruflicher Integration ist eher eine Behandlung in unserer Klinik indiziert
    • bei erheblichen Defiziten in diesem Bereich eher unsere Drogeneinrichtung die Johannesbad Fachklinik Holthauser Mühle (z.B. intensivere Förderung im arbeitstherapeutischen Bereich möglich, größeres Ausmaß an sozialtherapeutischen Behandlungselementen)
  • Der somatische Status
    • bei schwereren körperlichen Begleiterkrankungen ist eine Behandlung in unserer Klinik aufgrund der dort vorhandenen fachärztlichen Ressourcen vorteilhaft

Pathologisches Glücksspiel

Glücksspielsüchtig zu sein ist kein Einzelschicksal. Seriöse Schätzungen gehen von über 530.000 Personen mit einem pathologischen Glücksspielverhalten in der Bundesrepublik Deutschland aus. Viele von ihnen sind hoch verschuldet.
Seit 1990 werden in unserer Fachklinik glücksspielsüchtige Männer und Frauen behandelt. Unser wissenschaftlich fundiertes Therapiekonzept wird entsprechend den Erfordernissen unserer Patienten sowie den sozialrechtlichen Bestimmungen weiterentwickelt. Seit 2001 haben die Rentenversicherungsträger das pathologische Glücksspielen als Krankheit anerkannt. Sie haben also Anspruch auf ambulante oder stationäre Rehabilitation, sowie auf Leistungen zur beruflichen Rehabilitation.

Wenn Sie zum Beispiel merken, dass das Glücksspiel

  • wichtiger wird als der berufliche Erfolg, so dass der Arbeitsplatz gefährdet oder verloren ist
  • Ihre persönlichen Beziehungen belastet oder Sie einsamer werden
  • bei Ihnen Schuldgefühle oder Stress erzeugt
  • Ihre finanzielle Situation immer schlechter werden lässt
  • sich kaum noch unterbrechen oder ganz aufgeben lässt

sollten Sie sich an eine Beratungsstelle für Glücksspielsüchtige oder eine Suchtberatungsstelle, Ihren Hausarzt oder Psychotherapeuten wenden. Hier können Sie herausfinden, wie Ihr Glücksspielverhalten zu bewerten und welche Hilfe erforderlich ist. Unser Behandlungsangebot setzt voraus, dass unsere Patienten während der medizinischen Rehabilitation abstinent von Glückspiel, aber auch anderen süchtig machenden Stoffen sind. (Ausnahme: Tabak).

 

Zuweisungskriterien

In unserer Fachklinik werden Patienten behandelt, die neben dem pathologischen Glücksspielen eine

  • stoffgebundene Abhängigkeitserkrankung (Alkohol, Medikamente, Cannabis, usw.) oder
  • eine Persönlichkeitsstörung (vom narzisstischen Typ) haben

Pathologischen Glücksspielern mit einer depressiv-neurotischen Störung oder einer Persönlichkeitsstörung vom selbstunsicher/vermeidenden Typ ist als Psychosomatische Klinik mit einem spezifischen Angebot für Glücksspieler z.B. unsere Partnerklinik, die Johannesbad Fachklinik Hochsauerland zu empfehlen. Ihre Beratungsstelle, ggf. Ihr Hausarzt oder Psychotherapeut unterstützt Sie bei der Antragsstellung.

Spezielle Angebote und Behandlungen

Unser breites Behandlungsspektrum enthält Angebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Frauen, Junioren, Senioren sowie Angehörigen von Suchtkranken zugeschnitten sind. Wir bieten darüber hinaus Auffang-/Wiederholungsbehandlungen sowie Kurzzeitbehandlungen an. Zusätzlich nehmen wir Patienten zur Motivationsbehandlung auf.

Im Rahmen des Aufenthalts können körperliche und psychische Begleit- und Folgeerkrankungen, so genannte süchtige Verhaltensweisen, mitbehandelt werden:

  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (AD(H)S)
  • affektive Erkrankungen z.B. Depression
  • Diabetes mellitus
  • Essstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)
  • schizophrene Psychosen

Wir bieten unseren Patienten auch eine kompetente Tabakentwöhnung an.

Therapie für Angehörige von Suchtkrankheiten

Eine Suchterkrankung belastet nicht nur den Suchtkranken selbst, sondern auch sein unmittelbares soziales Umfeld und hier insbesondere seine Familie. Angehörige von Suchtkranken haben ein erhöhtes Risiko, selbst krank zu werden. Besonders häufig sind psychosomatische Störungen wie depressive Verstimmungen ("Burn-out"-Syndrom), Anpassungsstörungen, Posttraumatische Belastungsstörungen und Angststörungen. Die Betroffenen müssen häufig mit ihren Problemen alleine fertig werden und finden keine speziell auf ihre Problematik zielenden Hilfen.

Schon lange lag uns das Leid der Partner, Kinder und Eltern unserer Patientinnen und Patienten besonders am Herzen. Wir haben deswegen gemeinsam mit unserer benachbarten Internistisch-Psychosomatischen Johannesbad Fachklinik Hochsauerland das erste spezifische rehabilitative Angebot für Angehörige von Suchtkranken, die an einer eigenständig behandlungsbedürftigen psychosomatischen Erkrankung leiden, entwickelt.

 

Das Behandlungsangebot

Neben der fachkompetenten Behandlung des psychosomatischen Leidens erfolgen:

  • die individuelle Analyse und Aufarbeitung der spezifischen psychischen und sozialen Belastungen, die aus der Beziehung zu einem Suchtkranken resultieren,
  • die Überprüfung bzw. Aufdeckung möglicher ursächlicher Zusammenhänge zur psychosomatischen Erkrankung
  • die Entwicklung von Lösungs- und Veränderungsstrategien sowohl individuell als auch im System der Suchtfamilie (Wie verhält sich z. B. eine Ehefrau zukünftig gegenüber einem noch trinkenden Partner?)

Die auf das psychosomatische Leiden zielende Behandlung wird ergänzt um

  • eine Indikations- und Therapiegruppe für Angehörige
  • Partner- und Familienseminare
  • begleitende Einzelpsychotherapie zur speziellen Thematik
  • Hospitationen in den Therapiegruppen unserer Klinik

Der Angehörige soll lernen, für seine Gesundung, nicht aber für die des suchtkranken Partners verantwortlich zu sein. Oft ist es wichtig, sich nach der stationären Therapie einer Selbsthilfegruppe für Angehörige anzuschließen. Wir helfen bei der Vermittlung und können dabei auf unsere in Jahrzehnten gewachsenen Kontakte zum ambulanten Suchthilfesystem und der Selbsthilfe zurückgreifen.

Eine besondere Variante des Angehörigenprojekts bietet die sog. Parallelbehandlung in der Johannesbad Fachklinik Hochsauerland. Dabei absolvieren das suchtkranke Familienmitglied und der/die Angehörige ihre Behandlungen gleichzeitig. Dies ermöglicht eine intensive familientherapeutische Arbeit weit über die Möglichkeiten der üblichen Familienseminare hinaus. Dieses Angebot kann natürlich auch von Angehörigen von Patienten/innen der Johannesbad Fachklinik Holthauser Mühle genutzt werden.

 

Beantragung

Bei vorliegender rehabilitationsbedürftiger Erkrankung wird der Antrag gemeinsam vom behandelnden Arzt und der Patientin oder dem Patienten beim zuständigen Leistungsträger gestellt.

Kurzzeittherapie und Behandlung Therapieerfahrener Patienten

Die Kurzzeittherapie zielt auf die Behandlung von alkohol- und/oder medikamentenabhängigen Frauen und Männern ab. Die Indikation zu einer Kurzzeittherapie kann häufig gestellt werden bei guter sozialer Einbindung, beruflicher Integration und mit Anbindung an eine qualifizierte Suchtberatungsstelle.

Eine Auffangbehandlung ist bei einer abgeschlossenen Therapie und erfolgtem Rückfall möglich. Die Behandlungsdauer kann sechs bis zwölf Wochen betragen. Zwei unserer zwanzig Behandlungsgruppen legen den Schwerpunkt auf Patienten, die bereits eine oder mehrere Suchtrehabilitationen durchgeführt haben. Lesen Sie mehr dazu in unserem Flyer "Kurzzeittherapie

Motivationsbehandlung

Es können Erwachsene von Alkohol und/oder Medikamenten Abhängige, sowie Mehrfachabhängige behandelt werden. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel drei Wochen. Während dieser Zeit klären wir mit Ihnen den Behandlungsbedarf und beantragen bei entsprechender Indikation eine medizinische Rehabilitation bei Ihrem Leistungsträger.

Die Vermittlung in die Motivationsbehandlung kann durch Sozialdienst der Krankenkasse erfolgen, ebenso durch innerbetriebliche Sozial- bzw. Suchtberater und Werksarztzentren. Der am Arbeitsplatz auffällig gewordene Mitarbeiter kann nach dortiger Frühintervention ohne Zeitverlust unmittelbar in die Behandlung vermittelt werden. Ansprechpartner sind hier unsere Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit.

Therapie für lebensjüngere Patienten

Wir fassen in unserer Fachklinik jüngere erwachsene Patienten in alters- und geschlechtsgemischten Teams zusammen. In Indikationsgruppen, in denen die Junioren unter sich sind (JuniorInnentherapie), werden spezifische Probleme, wie z.B. Ablösung vom Elternhaus, fehlendes Durchhaltevermögen oder geringe Tagesstruktur besprochen.

Viele Junioren haben keine vollständige und abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung, hier legen wir großen Wert auf die Unterstützung durch unsere Arbeitstherapie und die Berufsberatung (BORA)(Link Therapie-Therapiebaustein-Berufliche Orientierung (BORA)) und geben u.a. die Möglichkeit zu einem Praktikum.

Aus den krankheitsbestimmenden und -begleitenden Faktoren leiten sich einige der für diese Altersgruppe besonders bedeutsamen Therapieziele ab:

  • Stärkung der Behandlungsmotivation und Förderung der Motivation für über den stationären Behandlungsrahmen hinausgehende Weiter und- Nachbehandlung bzw. ­Nachsorge
  • Einsicht in das eigene Abhängigkeitsverhalten und ein Erkennen der Funktionalität des Suchtmittelgebrauchs im Allgemeinen und für jedes verwendete Suchtmittel im Speziellen
  • Realistische Teilzielplanung des Veränderungsprozesses und Selbsteinschätzung
  • Stärkung der Abstinenzmotivation und kontinuierliche Abbruch- und Rückfallprävention
  • Verbesserung der körperlichen Konstitution mit Umgang und Bewältigung von körperlichen Folgeschäden
  • Bearbeitung von Reifungs- und Entwicklungsdefiziten mit dem Ziel der selbstgesteuerten Nachreifung oder problemadäquaten Kompensation von Entwicklungsdefiziten, mit den Unterzielen: Verbesserung des Selbstbildes, des Selbstwertes, der Affektdifferenzierung und der Frustrationstoleranz sowie den Fähigkeiten, Beziehungen aufzunehmen und Kontakte herzustellen
  • Entwicklung von Interessen und Freizeitaktivitäten
  • Die berufliche (Wieder-)Eingliederung in Kooperation mit Arbeitsverwaltung und Reha-Beratung (Beratung, Vermittlung, Umschulung, Eingliederungshilfen)
  • Klärung des Wohn- und Lebensbereiches
  • Bearbeitung von Straffähigkeitstendenzen und Klärung aktueller juristischer Probleme
  • Klärung von Einkommen und Schulden
  • (Wieder-)Herstellung von tragfähigen sozialen Netzwerken

Therapie für lebensältere Patienten

Unser speziell auf lebensältere Patienten ausgerichtetes Behandlungsteam berücksichtigt verstärkt für diese Gruppe auslösende Faktoren der Suchtmittelabhängigkeit. Dazu zählen u.a. Nachkriegserfahrungen, Verlust des beruflichen Status, Vereinsamung, Verlust wichtiger Bezugspersonen und körperliche Einschränkungen.

Mit unserer Hilfe können Sie Ihre Therapieziele verfolgen: Würdigung der Lebensleistungen, Planung einer sinnvollen Freizeit, Verbesserung der Konzentration etc. Die Seniorengruppen sind in unserer Fachklinik zu einer Wohneinheit zusammengeschlossen. Näheres erfahren Sie in unserem Flyer "Seniorentherapie".

Trauma und Sucht

Da wir dem hohen Anteil von traumatisierten suchtmittelabhängigen Patienten und deren speziellen Bedürfnissen noch professioneller begegnen möchten, wurde das Angebot für diese Patientengruppe vor einigen Jahren erweitert.

Um die Betroffenen dauerhaft zu entlasten und ihren besonderen Bedürfnissen in der Behandlung entgegen zu kommen, wurde zu den bereits bestehenden Angeboten eine zusätzliche indikative Gruppe "Traumaberatung" eingerichtet. In der Traumaberatung werden Patienten mit unterschiedlichsten Traumata psychoedukativ über Auswirkungen von Traumatisierungen informiert und über Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung aufgeklärt.

Hierbei zeigen sich die meisten traumatisierten Patienten sehr motiviert, mehr über die Entstehung der sog. posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zu erfahren, um die damit verbundenen Symptome besser einordnen und bewältigen zu können. Durch die Aufklärung über die Auswirkung traumatischer Ereignisse auf die Beziehungsgestaltung können sich betroffene Patienten deutlich entlasten. Sie erlernen in der Gruppe psychoimaginative Verfahren nach L. Reddemann, die sie eigenständig trainieren und gemeinsam mit anderen traumatisierten Patienten unter therapeutischer Anleitung auswerten.

Zusätzlich bieten wir die Möglichkeit einer traumatherapeutischen Bearbeitung der PTBS nach vorangegangener oder vorausgegangener Stabilisierung.
Sollte eine ausreichende Stabilisierung während der Behandlung noch nicht gegeben sein, vermitteln wir betroffene Patienten in eine Traumatherapeutische Behandlung.

Suchtpatienten mit einer Traumafolgestörung unterscheiden sich im Behandlungsbedarf von Suchtpatienten ohne entsprechende Belastung. Untersuchungen bestätigen, dass traumatisierte Menschen häufiger von Suchtmitteln abhängig werden als nicht traumatisierte. Uns ist es in der therapeutischen Behandlung besonders wichtig, gemeinsam mit den Betroffenen herauszufinden, welche spezifische therapeutische Behandlung hilfreich ist, damit die gescheiterten Versuche der Selbstmedikation aufgegeben werden können. Während es z.B. für alkoholabhängige Patienten durch Abstinenz vom Suchtmittel sehr rasch zu einer Verbesserung der physischen und psychischen Befindlichkeit kommt, wird die Abstinenz von traumatisierten Suchtkranken nicht so schnell als Entlastung erlebt, da durch die "fehlende" Selbstmedikation unterdrückte Symptome wie extreme Unruhe, Flashbacks, Alpträume, Ängste, Panikattacken und häufig auch somatische Beschwerden in ausgeprägter Heftigkeit erneut aufflackern.

Aufklärung bei Somatisierungsstörungen, die im klinischen Alltag recht häufig auftreten, wirkt psychisch entlastend und trägt bei den Patienten zu mehr Verständnis und einer erhöhten Akzeptanz der eigenen (Über-)Empfindlichkeit bei. Alles, was vermehrte Selbstkontrolle unterstützt, wird von den traumatisierten Patienten regelmäßig als hilfreich beschrieben.

 

Behandlungsphasen im Überblick

  • Beziehungsaufbau und Diagnostik
  • Traumaberatung und Stabilisierung
  • Nach ausreichender Stabilisierung evtl. Traumatherapeutische Bearbeitung durch EMDR
  • Integration, Abschied und Einbindung in ambulante Nachsorge/Weiterbehandlung

 

Nachsorge/Weiterbehandlung

Einem Behandlungsteam mit ca. 48 Behandlungsplätzen werden schwerpunktmäßig Patienten mit Traumavorgeschichte zugeordnet.

Anstelle der Gefühle von Macht- und Hilflosigkeit lernen die Patienten durch eigene Anstrengung wieder mehr Kontrolle zu erleben durch die (stabilisierte) Abstinenz, das Verständnis für die bestehenden Symptome der PTBS und das durch Achtsamkeitsübungen wachsende Mitgefühl sowohl für die Sucht als auch die Traumafolgeerkrankung.

In der Phase, in der sich die Patienten noch auf der Aufnahmestation befinden, gibt es in jeder Schicht Bezugspfleger, die die Patienten bei auftretenden Flashbacks mit Stabilisierungsübungen unterstützen können. Auch die Vernetzung mit verschiedensten Einrichtungen, die traumatisierte Suchtkranke unterstützen und weiterbehandeln, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.

Therapie für Frauen

Patientinnen mit Gewalterfahrungen und sexuellen Traumatisierungen werden bei entsprechender Indikation und auf Wunsch nicht in die gemischtgeschlechtlichen Gruppen, sondern in einer reinen Frauengruppe behandelt.

Hier erfahren sie in der Gemeinschaft anderer Frauen Schutz und können so an ihren Zielen arbeiten. Der Frauenanteil in unserer Fachklinik liegt stabil bei einem Drittel der Patienten.