Johannesbad Medizin

Fachklinik Holthauser Mühle

Austausch von ehemaligen und aktuellen Patienten

Da einer der wesentlichen Punkte unseres Sommerfestes der Austausch von ehemaligen und aktuellen Patienten war, haben wir Fragen von unseren aktuellen Patienten gesammelt und diese weitergeben an unsere ehemaligen Patienten. 

Eigentlich war geplant daraus ein Video zumachen, da die Antworten zum Teil sehr umfangreich waren, haben wir uns dazu entschlossen diese aufzulisten. 

War die erste Zeit nach der Mühle schwer für euch?

  • „Natürlich war die erste Zeit nach 6 Monaten Mühle schwer für mich. Ich kannte nur mich süchtig vorher, dann 6 Monate clean in der Mühle und jetzt sollte, nein wollte ich auch clean im Leben bleiben.

    Es war schwer diesen alten Kreis aufzugeben, sich mit den Eltern und Familie wieder versöhnen, einen Job zu finden der wieder zu mir passt, Wohnung suchen, Arbeit suchen, neue Freunde finden, alles das wird dich auch immer wieder etwas zurückwerfen, gerade wenn etwas nicht klappt. Man muss sich entscheiden, alleine - will ich Leben und daran teilnehmen, oder will ich, dass die Sucht und die Drogen mein Leben bestimmen und das nimmt nie ein gutes Ende. Zumindest las ich nie, „Junkie feierte seinen 90. Geburtstag nach einem erfüllten Leben.“

    T.K.

     

  • „Ich habe die Mühle bis heute nicht vergessen, die Zeit dort hat mir einfach ein neues Leben geschenkt. Es war für mich nach der Mühle nicht schwer, ich war voller Energie und war selber stolz auf mich, was ich davor noch nie war und das Gefühl hat mich lange Zeit gehalten.

    Man muss sich Ziele setzen nach der Mühle, aber kleine.

    Man darf auch nicht zu sicher aus der Mühle gehen, aber auch nicht zu ängstlich.

    Ich muss zugeben das es erst nach Jahren schwerer wird. Bei mir kamen nach ca. 5 Jahren Depressionen. Ich denke, dass die Drogen schuld waren, die ich damals konsumiert habe. Man vergisst nach Jahren, was man erreicht hat und was man geschafft hat. Es ist nicht mehr so besonders für einen selbst.

    Und sobald sowas kommt muss man sich Hilfe suchen. Ich gehe einmal die Woche zur Psychologin, was mir sehr gut tut.

    Man darf nicht sein Leben aufgeben für Drogen. Ich sehe, was ich jetzt alles sehe. Ich reise, ich unternehme Dinge, die ich in der Drogenzeit nie gemacht hätte. Das möchte ich nie wieder haben.

    Ich bin auch tatsächlich seit der Mühle clean. Ich habe keine Drogen angefasst, gehe aber auch feiern und auf Festivals, auch das ist irgendwann wieder möglich.“

    K.S.

Welche Strategien habt ihr bei Suchtdruck entwickelt?

  • „Ich habe keine große Strategie entwickelt, ich hab mich einfach mitgeteilt, meiner Freundin erzählt, dass und warum es mir gerade nicht gut geht, sowie meiner Familie mit denen ich nach der Mühle auch endlich offen reden konnte. Der Schlüssel ist wirklich darüber reden. Ich glaube jeder entwickelt etwas Anderes um sich davon ab zu lenken. Ich habe mir einen Husky zugelegt. Aber der Suchtdruck geht auch wieder weg. Ich vergleiche das mit schlechten Umgang oder falschen Freunden“ gibst du denen nicht was du willst, gehen die von selber.“

    T.K.

     

  • „Das wichtigste ist, wenn man nach einer Zeit merkt, es geht mir nicht gut, - sucht euch Hilfe, es reicht ein Psychologe in den meisten Fällen. Am Anfang habe ich mich auch in der Adaption gemeldet und dort Gruppen besucht. Es gibt Hilfe, irgendwo ist immer einer der hilft. Man muss nur den Schritt gehen und sich die Hilfe holen! Das Leben ohne Drogen ist schöner und bunter.“

    K.S.

     

     

Was hat euch am meisten geholfen weiter abstinent zu bleiben?

  • „Meine Freundin, Familie, Arbeit, ein Hobby und den ganzen alten Kreis aufgeben ohne Kompromisse.“ 

    T.K.

Wie reagiert ihr/du, wenn dich jemand fragt, ob du was konsumieren möchtest?

  • „Auch wenn jemand fragt, ob konsumieren sage ich nein und bitte nicht in meiner Gegenwart konsumieren, da ich das nicht möchte. Ich breche Kontakte zu den Personen ab.“

    C.S.
  • „Ich war zwar nie in solch einer Situation, aber würde mich aktuell jemand fragen, ob ich etwas konsumieren möchte, würde ich wahrscheinlich antworten, dass ich das auf eine Art tatsächlich gerne mal wieder machen würde, es allerdings auf keinen Fall machen werde, weil ich weiß, dass Das ganz böse enden würde und es das definitiv nicht wert ist!! Es würde nicht bei einem Mal bleiben und das muss man sich bewusst machen. Probiert das am besten gar nicht erst aus. Das Leben, was ich seit meiner Zeit in der Holthauser Mühle gewonnen habe ist doch so viel liebenswerter und echter als das davor. “

    S.M.
  • „Das ist noch 2- oder 3- mal vorgekommen. Dieser alte Kreis, von dem du dich noch lösen musst, gönnt Dir auch die Veränderung nicht. Sie werden immer irgendwo stehen, um dich zu verführen. Dann kommen solche Sprüche wie:

    -          Komm nur einmal!
    -          Letztes Mal mit deinen Kumpels!
    -          Du hast doch Geburtstag!

    Dreh dich um und geh einfach und dann sei auf dein Handeln mega stolz!“

    T.K.

Ist es schwer abstinent zu bleiben? Wird es irgendwann leichter?

  • „Suchtdruck hatte ich anfangs noch, aber es wurde mit der Zeit immer besser…“

    C.S.

     
  • „Schwer nicht unbedingt, eher ungewohnt. Dadurch, dass ich eine klare Abstinenzentscheidung getroffen habe und schon bevor ich in die Mühle bin mit allen Drogenkontakten gebrochen habe, war es ganz einfach dabei zu bleiben. Ich habe meine Nachsorge durchgezogen, hab sogar länger gemacht, um sicher zu gehen. Hab weiter an meinen Problemen gearbeitet, hab mir Hilfe gesucht (Familienhilfe, Jugendamt, ambulante Therapie), mache einen Schritt nach dem anderen. Man muss nichts mehr übers Knie brechen, ich darf auch mal Phasen haben, in denen alles doof ist und ich keinen Bock habe.

    Ich nehme mir die Zeit herauszufinden wer ich bin, was mir gefällt, was mir wichtig ist. Kein selbstgemachter Druck mehr. Und ganz wichtig ist für mich auch der Kontakt mit ein paar Leuten, die ich in der Mühle kennengelernt habe. Da werde ich verstanden, geerdet und aufgemuntert. Und wenn der Suchtdruck mal wieder da ist hilft so ein Gespräch / Telefonat auch ganz gut. Da kann man gut aufdröseln, wo das gerade herkommt, was der Auslöser war.

    Gott sei Dank wird es immer leichter mit dem Suchtdruck umzugehen. Er ist auch nicht mehr so viel da. Je mehr ich gefestigt bin, je mehr ich zu mir finde und je mehr ich bin, desto weniger habe ich zu kämpfen…“

    A.S.
     
  • „Es ist ein Prozess. Ich würde gerne sagen, schnipp mit den Fingern und alles ist gut. Nein natürlich ist es nicht einfach, aber mit jedem Tag ohne Drogen, wird es das mit der Zeit. Ich bin jetzt 5 Jahre clean und meinen letzten Suchtdruck hatte ich vor 3 Jahren, seitdem denke ich nicht mal mehr an Stoff, sondern ekel mich bei dem Gedanken mich so zu sehen. Nur noch das hilft über jeden Suchtdruck hinweg. Irgendwann ist das komplett weg. Es ist doch viel schöner am Leben aktiv teilzunehmen, als zugedröhnt in der Ecke zu sitzen.“

    T.K.
     
  • „Ich kann euch allen die erfreuliche Mitteilung machen, dass durchhalten sich lohnt und dass es tatsächlich immer einfacher wird, bis dahin, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, wie ich ständig zugedröhnt sein konnte und das auch noch gut fand. Ich lebe seit 2015 Abstinenz von illegalen Drogen und seit Juni 2017 rauche ich keine Zigaretten mehr. Beides wurde immer einfacher und selbst wenn ich auch jetzt ab und an noch "Lust" hätte eine zu rauchen, kann ich es mir eigentlich gar nicht mehr vorstellen regelmäßig zu rauchen.

    Und das ist gut so!“

    S.M.

Habt ihr nach der Therapie, um abstinent zu bleiben, euer Umfeld/Kontakte gewechselt?

  • „Alle Kontakte, die irgendwas mit Drogen in meinem Umfeld zu tun hatten, habe ich gekappt. Anders wirst du es auch sonst nie schaffen. Du wirst auch keinen belehren, es dir gleich zu tun, er oder sie müssen wie du auch selber entscheiden und du kannst nur einen Ratschlag geben. Heute macht es mir nichts mehr aus, einen aus der alten Szene mal Hallo und Tschüss zu sagen, aber das war es dann auch schon. Leider sind die meisten von Ihnen immer noch drauf, ist aber nicht mein Problem, für mich ist das heute eine Sache die kann ich objektiv betrachten und bin froh mir ein neues Umfeld ohne Drogen geschaffen zu haben.“

    T.K.


     
  • „Definitiv ist es sehr wichtig die früheren Kontakte abzubrechen und ein neues Kapitel aufzuschlagen. Ich habe bspw. bereits kurz vor Therapieantritt Telefonbuch und Facebookliste aufgeräumt und alle Kontakte zu Leuten, die ich nur wegen des Konsums kannte, mit denen ich konsumierte oder bei denen ich kaufte zuerst blockiert und im Anschluss gelöscht. Das war die beste Entscheidung.“

    S.M.