225 Gäste aus ganz Bayern kamen zum 71. Further Fortbildungstag in die Johannesbad Fachklinik

Digitalisierung, Arbeitsverdichtung, Stress und zwischenmenschliche Konflikte beeinflussen unsere Arbeitsbedingungen und das Leben der Menschen spürbar.

Ein Drittel der Menschen mit psychischen Störungen weist auch Suchterkrankungen auf, ein Drittel der Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit hat auch psychische Probleme. Der Anteil erwerbsloser Menschen in der ambulanten Suchtkrankenhilfe liegt bei Alkoholabhängigen bei 31,6% und bei Menschen in der stationären Suchtkrankenhilfe bei 45,9% (Deutsche Suchthilfestatistik, Jahresbericht 2018).

Im Zuge einer stationären Rehabilitation wird deshalb versucht, eine frühzeitige berufliche Orientierung und die Einleitung notwendiger Schritte für eine Rückkehr in ein Beschäftigungsverhältnis einzuleiten. Denn eine erfolgreiche Wiedereingliederung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen kann den Rehabilitationserfolg langfristig sichern und die soziale Lebenssituation stabilisieren.

Anlässlich des 71. Further Fortbildungstages stellten mehrere Experten dem aus ganz Bayern angereisten Fachpublikum verschiedene Lösungsansätze vor und sensibilisierten für den einzelnen Menschen und seine individuellen Bedürfnisse.

Nach einer Begrüßung und Einleitung von Klinikleiter Peter Rehermann informierte Prof. Dr. Heino Stöver vom Suchtinstitut für Suchtforschung der Fachhochschule Frankfurt über die Auswirkungen der sich verändernden Arbeitswelt auf den Menschen und den damit einhergehenden steigenden Konsum psychoaktiver Substanzen zur Leistungssteigerung. Psychische Störungen seien mittlerweile der zweithäufigste Grund für die Fehlzeiten deutscher Arbeitnehmer. Ein Umdenken sei erforderlich: Gewerkschaften und Betriebe müssten Menschen zielgruppengerechte Lösungsansätze zum Umgang mit der Arbeitsverdichtung bieten. Die Work-Life-Balance-Thematik einer gehobenen Mittelschicht ginge an vielen Bevölkerungsgruppen komplett vorbei. Eine Neuaufstellung der Drogenpolitik sei ebenso dringend gefragt: Bei den Verboten für Tabakwerbung z.B. sei Deutschland das Schlusslicht der EU. Eine Flasche hochprozentiger Alkohol ist für jedermann für knapp 4 Euro zu erwerben. Hier gäbe es dringend Handlungsbedarf.

Prof. Dr. Reinhart Schüppel, Chefarzt der Johannesbad Fachklinik zeigte auf, welch großen Anteil die eigene Wahrnehmung und Bewertung für das Empfinden von Stress am Arbeitsplatz spiele. Tatsächlich haben wir nämlich nie weniger gearbeitet als heute. Wer Stress per se als negativ empfände, werde auch schneller davon krank. Er legte dar, dass der offenere Umgang und die Behandlung psychischer Störungen nicht unmittelbar auf einen Anstieg dieser zurückzuführen ist.

Alle Vortragenden waren sich einig, dass Arbeit eine wichtige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben darstellt und grundsätzlich einen großen Beitrag zur psychischen Gesundheit leistet. Viele Menschen können und wollen nach ihrer Therapie wieder an den alten Arbeitsplatz zurück und erhalten dabei oft Unterstützung vom Arbeitnehmer. Das ist der Idealfall.

Dass Menschen in eine Langzeitarbeitslosigkeit fallen, habe mehr mit einer begleitenden psychischen Störung zu tun als mit der Abhängigkeitserkrankung an sich, betonte Prof. Dr. Schüppel. Hier müsse man die Einzelsituation analysieren und in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partnern neue Möglichkeiten aufzeigen.

Zu den Richtlinien der Deutschen Rentenversicherung zum Thema Arbeitstherapie in der Rehabilitation und den Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit den Jobcentern und Arbeitsämtern sprach Dipl-Psych. Gerhard Eckstein von der Deutschen Rentenversicherung Schwaben.

Konkrete Hilfsmaßnahmen stellten anschließend Johann Liegl vom Jobcenter Cham und Bernhard Lang von der Agentur für Arbeit in Schwandorf vor.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch die Vorstellung des Projektes InnAktion ANTHOJO, einem Arbeitsprojekt mit mehreren Standorten in Oberbayern, das Arbeitslosen und Menschen mit dem Wunsch nach Veränderung über kreative Ansätze der Ergo- und Arbeitstherapie wieder in den Arbeitsmarkt verhilft. Die beiden Initiatorin Chantal Mauras und Marion Schädler sowie Ergotherapeutin Melanie Ohlenberg berichteten kurzweilig aus ihrem lebendigen Alltag.