Ein normales Leben mit Hüftprothese?
Alles was man wissen muss

Man lernt eine Sache erst richtig wertzuschätzen, wenn man sie verloren hat: In dieser bekannten Lebensweisheit steckt ein Fünkchen Wahrheit – besonders in Bezug auf den eigenen Körper. Oft registriert der Mensch nicht die Leistungsstärke der Knochen, Gelenke und Organe, es sei denn, sie büßen Funktionalität ein. Zum Beispiel in Form von Verletzungen. Aber auch der natürliche Verschleiß zeigt irgendwann Wirkung. Manchmal muss dann mittels künstlicher Ersatzteile Vitalität wiederhergestellt werden. Etwa durch eine Hüftprothese.

Ursachen und Risikofaktoren

Jedes Jahr werden in Deutschland fast zwei Millionen Prothesen implantiert – unabhängig ob Knieprothese, Schulterprothese oder Hüftimplantat. Letzterer künstlicher Ersatz stellt jedoch einen Bärenanteil der Implantationen dar – beinahe 200.000 Hüftprothesen geben Geschädigten hierzulande jährlich Lebensqualität zurück. Laut neuester Statistiken gehört Deutschland damit zu den Ländern mit den meisten Implantationen künstlicher Hüftgelenke.

Meist resultiert die Notwendigkeit eines solchen Eingriffs aus einer Arthroseerkrankung. Dabei handelt es sich um eine irreparable Verschleißerscheinung der Gelenke. Sie macht sich vor allem im gehobenen Alter bemerkbar, weswegen hauptsächlich diese Altersschicht Zielgruppe der Endoprothetik ist.

Aber nicht ausschließlich: Abnutzungserscheinungen der Gelenke treten mitunter auch bei Menschen unter 60 Jahren auf. Zudem ist das Risiko einer Verletzung oder eines Unfalls jederzeit gegeben. Dann wird bei jüngeren Personen in ungünstigen Fällen ebenso das Thema Hüftprothese aktuell.

Und das künstliche Hüftgelenk muss dann Leistung bringen – umso mehr, je jünger der Patient ist. Denn dann ist in der Regel der Lebensstil fordernder für das Gelenk.

Schädigungen des Gelenks – wann eine Hüftprothese zum Einsatz kommt

Das Hüftgelenk ist leistungsstark, aber nicht unkaputtbar. Im Gegenteil: Mit jeder Bewegung oder Belastung verschleißt es immer mehr. Das lässt sich nicht verhindern und ist bei jedem Menschen der Fall. Auch Entzündungen oder Verletzungen riskieren die Gesundheit des Konstrukts. Folgend soll auf Gefahren eingegangen werden, die einkünstliches Hüftgelenk nötig machen können.

Degenerativ und unheilbar: die Hüftarthrose

Der Verschleiß des Gelenks ist im Prinzip ein üblicher Prozess, jeder Mensch ist davon betroffen. Mit steigendem Alter ist die Gelenkabnutzung aber sehr stark ausgeprägt.

Eine Arthrose ist die Folge. Alle Gelenke sind dem Risiko dieser Erkrankung ausgesetzt. Tritt sie an der Hüfte auf, spricht man von einer Coxarthrose. Dann ist jede Bewegung mit Schmerzen verbunden. Es ist in erster Linie das Knorpelgewebe, das verschleißt – bis es schließlich dermaßen beschädigt ist, dass die Gelenkknochen direkt aufeinanderliegen.

Circa Dreiviertel aller Hüftimplantationen resultieren aus einer solchen Verbrauchserscheinung. Doch ist nicht ausschließlich eine lange Lebensdauer Auslöser der Krankheit. Nach stetiger Fehlbelastung kann das Gebrechen ebenfalls vorkommen.

Übergewicht kann eine Ursache für übermäßige Belastung sein. Dann drückt mehr Kraft auf das Gelenk als es tragen sollte.

Die Arthrose ist leider nicht heilbar. Sie zählt zu den degenerativen Krankheiten – das heißt: Mit der Zeit verschlimmert sich der Zustand., Verhindern lässt sich der „Verschleiß“ nicht. Einzig verlangsamen lässt sich der Verschleißvorgang.

Das geschieht durch konservative Heilverfahren der Orthopädie. So wird zum Beispiel mittels Krankengymnastik das Gewebe geschmeidig gehalten. Letztlich ist jedoch die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks das letzte Mittel, um die Schmerzen zu nehmen.

Die Autoimmunerkrankung Arthritis

Eine weitere Gelenkserkrankung ist die Arthritis. Auch sie führt zum Abbau des Knorpelgewebes. Aber das geschieht nicht durch natürlichen Verschleiß, sondern vielmehr findet eine entzündliche Reaktion statt, die das Gewebe angreift.

Dabei wird unterschieden zwischen Arthritis, bedingt durch eine Infektion, und der rheumatoiden Arthritis. Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die körpereigenen Abwehrzellen das gesunde Gewebe des Gelenks angreifen Und letztlich zu einer Arthrose führen kann.

Wenn das Hüftgelenk zu stark verletzt wird

Die Arthrose ist die häufigste Ursache für die Notwendigkeit einer Hüftprothese. Beinahe alle Implantationen fallen aus diesem Grund an. Doch auch durch Verletzungen kann die Hüfte dermaßen geschädigt werden, dass nur eine Endoprothese dem Betroffenen Gesundung verspricht.

Das Hüftgelenk liegt relativ ungeschützt im Körper. Trotz schützender Muskeln und Sehnen kann eine zu hohe Krafteinwirkung zu Frakturen an und um das Gelenk führen. Im Alter steigt das Risiko von Brüchen, da die Knochensubstanz dünner wird.

Es gibt noch weitere Faktoren, die die Hüfte derart schädigen, dass ein Gelenkersatz implantiert werden muss. So etwa ein Chondrosarkom – ein Tumor im Bereich der Hüfte.

Therapie

Nicht nur die Endoprothetik hat sich mit den Jahren enorm entwickelt, sondern auch die Chirurgie. Eine Implantation geschieht heute nicht mehr ausschließlich durch einen Eingriff am offenen Gelenk. Das minimal-invasive Verfahren hat sich etabliert.

Dabei wird ein Einschnitt von geringer Größe in die Haut und die Weichteile des Patienten vorgenommen. Schließlich schiebt der Chirurg das Muskelgewebe sanft zur Seite, um an die zu operierenden Stellen zu kommen. Mithilfe kleinster Gerätschaften schafft es der Arzt, die lädierten Bereiche abzutragen und durch die Hüftprothese zu ersetzen.

Da das Trauma klein gehalten wird und das Gewebe nicht abgelöst werden muss, nimmt der Körper kaum Schaden durch die OP. Die Regeneration geht somit schneller vonstatten. Zudem entsteht durch den minimalen Einschnitt weniger Narbengewebe.

Doch auch die klassische Chirurgie kommt nach wie vor häufig zur Anwendung. H2: Nach der OP: Rehabilitation ist wichtig

Nach der OP benötigt der Körper umfassend Erholung, um von den Strapazen der Operation zu kurieren.

Das geht in der Regel durch eine orthopädische Anschlussheilbehandlung (auch AHB genannt) vonstatten. Die beginnt normalerweise direkt nach einer OP, spätestens aber zwei Wochen danach. Gemeinsam mit dem Patienten stellt der Arzt ein Therapieprogramm zusammen, bestehend aus konservativen Heilverfahren.

Von Krankengymnastik über Muskeltraining bis hin zu Massagen und anderen Methoden, bekommt der Operierte das gesamte Spektrum der orthopädischen Medizin geboten.

Folgend soll eine Auflistung möglicher Heilverfahren zeigen, wie der Operierte zurück zur Mobilität geführt wird:

  • Physiotherapie: Experten zeigen dem Patienten mögliche Bewegungsabläufe auf, die dabei helfen, Gewebe und Prothese geschmeidig zu halten.
  • Massagen: Gereizte und verspannte Muskelpartien können hierdurch gelockert werden.
  • Kräftigung der Muskeln: Um die Prothese größtmöglich zu entlasten, bedarf es einer kräftigen Rumpfmuskulatur.
  • Wärmetherapien: Wärme kann helfen, Verspannungen zu lösen. Zudem regt es die Aufnahme wichtiger Nährstoffe im Gewebe an.
  • Lymphdrainagen: Wirken den in der Regel nach Operationen vorhandenen Schwellungen entgegen

Die Behandlung findet im Rahmen eines ambulanten oder stationären Aufenthaltes in einer Klinik statt.

Was ist eine Hüftprothese?

Der Schaft der Hüftprothese wird fest im Oberschenkel verpflanzt.

Ist die Funktionalität des Hüftgelenks unwiederbringlich verwirkt, muss ein Hüftimplantat die Aufgaben des beschädigten Gelenkes übernehmen.

Dabei kommt eine Endoprothese („Endo“ ist griechisch für „innen“) zum Einsatz. Das ist ein Implantat, welches im Körper verbleibt – meist für Jahrzehnte.

Mittlerweile ist ein Hüftimplantat ein ausgefeiltes Gebilde, das durch hochwertige Materialien, ein komplexes Design und erprobte Operationsmethoden dem Patienten als stabiles Äquivalent zur Seite steht.

Die Endoprothetik ist mit der Zeit enorm verbessert worden. Erste Prothesen bestanden noch aus Elfenbein und konnten nur eine geringe Haltbarkeit aufweisen. Auch Glasprothesen wurden zeitweise eingesetzt, bis sich schließlich Metalle als hauptsächliche Komponente etabliert haben.

Die Hüftprothese besteht nicht lediglich aus metallenem Hüftkopf und Hüftpfanne. Ein Schaft dient der Verankerung im Oberschenkelknochen, stabiler Kunststoff dient der besseren Langlebigkeit.

Schaft, Hüftkopf, Kunststoff-Inlay und Hüftpfanne sind die Bestandteile eines Hüftimplantats.

Qualitativ hochwertiges Material ist wichtig

Als die Endoprothetik noch in den Kinderschuhen steckte, sind Komplikationen in gehäufter Zahl aufgetreten. Auch heute kann es durchaus zu Problemen kommen, jedoch in geringem Ausmaß. Die richtigen Materialien und die durchdachte Machart garantieren eine gute Leistungsfähigkeit des Implantats:

  • Beweglichkeit: In erster Linie soll ein Hüftimplantat dem Geschädigten Lebensqualität zurückgeben. Bewegungen, die einst leicht machbar waren, sind durch Arthrose oder Arthritis kaum noch zu bewerkstelligen. Da die Hüftprothese dem natürlichen Gelenk nachempfunden ist, kann mit einem künstlichen Ersatz Flexibilität wiederhergestellt werden.
  • Keine Nebenwirkungen: Die Prothese soll Belastungen standhalten. Metalle sind robust genug, diese Aufgabe zufriedenstellend auszuführen. Doch muss der Stoff vom Körper auch akzeptiert werden. Es sind nur dementsprechend verträgliche Metalle eine Option.
  • Keine Zweit-OP: In frühen Zeiten der Endoprothetik lösten sich die Ersatzteile schnell ab. Mittlerweile kann dem Problem durch eine feste Verankerung im Körper gut entgegengewirkt werden. Damit keine zu schnelle Abnutzung der Prothese entsteht, wird zudem mit Kunststoff als Ergänzung gearbeitet. Das hält den Metallabrieb in Grenzen, das Implantat ist lange nutzbar.

Die aufgezeigten Voraussetzungen erfüllt eine hochwertige Hüftprothese in der Regel zufriedenstellend – besonders dank der exzellenten Materialkombination. Diese soll nun im Detail betrachtet werden.

Ein künstliches Hüftgelenk umfasst diese Bestandteile:

  • Hüftpfanne: Die Hüftpfanne dient als eine Art Nussschale, die den Hüftkopf umschließt. Die künstliche Variante ist aus festem Edelstahl gemacht. Damit der Körper das Konstrukt gut annimmt, muss es aus körperfreundlichem Metall bestehen – oft wird Kobalt und Chrom genutzt.
  • Hüftkopf: Das Äquivalent des Oberschenkelendes ist ebenso aus Edelstahl geformt. Auch hier ist Kobalt und Chrom gerne genutzt, aber auch Titanlegierungen sind im Einsatz, wenn gegen andere Metalle eine Allergie bestehen sollte. Die Hüftpfanne kann genauso aus Titan bestehen.
  • Schaft: Der natürliche Hüftkopf ist Teil des Oberschenkels. Das kann die künstliche Variante nicht leisten. Deshalb ist sie an einen metallenen Prothesenschaft angebracht. Der wird in dem Oberschenkelknochen befestigt.
  • Inlay: Eine rein aus Metall gebildete Prothese bedeutet meist ungesunden Abrieb von Metallpartikeln. Außerdem wäre der Verschleißprozess, dem auch eine Prothese unterliegt, sehr hoch. Deshalb wird das Implantat meist durch Gleitflächen ergänzt, bestehend aus Keramik oder Polymeren (meist Polyethylen).

Eine gute Hüftprothese besteht aus diesen Komponenten. Durch die intelligente Materialwahl kann ein Implantat heute lange Zeit im Körper verbleiben, ohne dass große Leistungseinbußen hingenommen werden müssen. Standzeiten (also die Haltbarkeit der Prothese) von 10 bis 20 Jahren sind die Regel.

Jedoch müssen nicht immer alle Bestandteile einer Hüftprothese eingesetzt werden. Es kommt auf den Grad der Gelenkschädigung an.

Welche Implantate gibt es?

Mehr als 200 Prothesentypen sind hierzulande im Einsatz. Hüfttotalendoprothesen (kurz: Hüft-TEP) sind die bekannteste Form. Aber auch Teilprothesen können ausreichen, Lebensqualität wiederherzustellen.

Die Hüft-TEP

Bei einer Totalendoprothese setzt der Operateur alle Komponenten des Implantats ein. Knorpelgewebe sowie beschädigter Beckenknochen werden entfernt und die künstliche Gelenkpfanne eingesetzt. Ein Teil des Oberschenkelknochens wird weggenommen, um dort den Gelenkkopf zu platzieren. Der Schaft garantiert zusätzlich Stabilität – er ist weit in den Oberschenkel integriert.

Es gibt drei Varianten, die TEP im Körper zu verankern:

  • Die zementierte Hüftprothese: Hierbei verwendet der Operierende Zement, um die Hüftprothese mit dem Knochen zu verbinden. Die Variante geht schneller vonstatten, ist bei Bedarf jedoch schwerer zu lösen.
  • Die zementfreie Hüftprothese: Mit der Zeit wächst das Konstrukt natürlich an den Körper an. Der Festigungsprozess ist langwieriger, aber das Gelenk auch besser austauschbar.
  • Das Hybrid-Gelenk: Es ist zudem eine Mischung aus zementierter und unzementierter Prothese möglich. Die Gelenkpfanne wird zementfrei fixiert, der Schaft aber durch Zement im Oberschenkel verbaut.

Es gibt nicht die eine Universal-Prothese. Verschiedenste Ausführungen kommen weltweit zum Einsatz.

Welche Technik der Implantation vorgenommen wird, hängt von der Beschaffenheit des Knochens und anderen individuellen Merkmalen ab.

Entweder Pfanne oder Kopf: Die Teilprothese

Bei Patienten, deren Gelenke nicht zu stark beschädigt sind, muss nicht unbedingt jede Komponente des Hüftimplantats eingesetzt werden.

Unsere Kliniken für Hüftprothesen

Fachklinik Bad Füssing

Die Johannesbad Fachklinik Bad Füssing bietet, gemeinsam mit der Johannesbad Therme, den Patienten optimale Bedingungen, den Klinikaufenthalt mit dem heilenden Thermal-Wasser zu ergänzen und zu unterstützen.

Gesundheits- & Reha-Zentrum Saarschleife

Die Johannesbad Fachklinik, Gesundheit – und Rehazentrum Saarschleife bietet unter anderem Therapien für orthopädische, psychosomatische und neurologische Erkrankungen an und wird ergänzt durch eine Bäderlandschaft und Sauna.

Fachklinik & Gesundheitszentrum Raupennest

Die Johannesbad Fachklinik & Gesundheitszentrum Raupennest vereint ambulante Behandlungen, Rehabilitation und Anschlussheilbehandlungen mithilfe verschiedener Therapien mit einer entspannenden Bäderlandschaft.